Portrait / Geschichte

Stadttheater Fürth

Eine der traditionsreichsten Spielstätten Bayerns

Nach über 100 Jahren ist das Fürther Stadttheater lebendiger denn je. Es blickt auf 100 Jahre bewegte Theatergeschichte, auf die jüdischen Wurzeln des Hauses und die Erfolgsgeschichte der Gegenwart zurück. Frankens "alte Theaterdame" hat nämlich eine "junge Seele" (Süddeutsche Zeitung).

2000 - heute

Im Jahr 2002 feierte das Stadttheater Fürth das 100-jährige Jubiläum, einhergehend mit dem Abschluss einer neuerlichen umfangreichen Sanierung.

Seit 2004 bespielt das Stadttheater Fürth auch die Bühne des früheren Schlachthofs - jetzt Kulturforum Fürth -, das sich schnell zu einem Forum für modernes, innovatives Tanztheater, neue Musik und moderne Formen des Sprechtheaters entwickelte. Die besondere Architektur des Saales mit seinen charakteristischen Säulen wurde dabei integraler Bestandteil der Inszenierungen.

2005 etablierte Intendant Werner Müller theaterpädagogische Angebote, zu denen auch der Jugendclub gehört. Der Fürther Jugendclub avancierte in den folgenden Jahren zu einem Vorzeigeprojekt, das unter anderem den Kulturförderpreis der Stadt Fürth (2010) und den IHK Kulturpreis Theater Mittelfranken (2011) gewann und dessen Produktionen zweimal durch die Fürther Nachrichten als „Inszenierung des Jahres" gewürdigt wurden.

Im Rahmen des 1000-jährigen Stadtjubiläums war das Stadttheater Fürth im Jahr 2007 erstmals Ausrichter der 25. Bayerischen Theatertage.
Im gleichen Jahr wurden in der Fürther Uferstadt eine Probebühne, Fundus und Werkstätten mit insgesamt 1900 m² eingeweiht.

Im Jahr 2009 produzierte das Stadttheater mit "Mayim Mayim" einen Tanzabend zum Gedenken an 33 im Jahr 1942 deportierte Fürther Waisenkinder. 33 internationale Choreografinnen und Choreografen entsandten eine Tänzerin oder einen Tänzer mit einem Tanzsolo nach Fürth. Aus den einzelnen Soli entstand ein berührender Abend.

Im selben Jahr startete das Community-Projekt „brückenbau" unter der künstlerischen Leitung von Jutta Czurda.  Vielfältige Angebote mit den Semester-Werkstätten Schauspiel, Tanz, Gesang und dem Community Dance, einem offenen Tanztreff, schlagen eine neue Brücke zwischen Publikum und Künstlern.

"Die Menschen von Primondo und Quelle" war der Titel eines Theaterprojekts aus dem Jahr 2010, der unmittelbar auf die Quelle-Pleite reagierte. Tausende Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. "Die Menschen von Primondo und Quelle" war ein emotionaler Abend im Zeichen der Solidarität und der Empathie.

2012 würdigte die Friedrich-Baur-Stiftung und die Bayerische Akademie der Schönen Künste die Arbeit des Stadttheaters Fürth mit dem Friedrich-Baur-Preis für "Darstellende Kunst".   

2014 stellte die Etablierung des KULT-Ensembles einen Meilenstein in der Geschichte des Hauses dar: Am Stadttheater gab erstmals seit siebzig Jahren wieder ein eigenes Ensemble mit fünf Schauspielern und einem künstlerischen Leiter – mit einem klaren Fokus auf dem Kinder- und Jugendtheater.

Im selben Jahr wurde die Bürgerbühne eingerichtet. Bei der Bürgerbühne produzieren Bürgerinnen und Bürger unter professionellen Bedingungen und professioneller Anleitung Theater. So wirkt das Bürgertheater am Stadttheater in die Stadt hinein. Über alle sozialen Unterschiede und Altersgrenzen hinweg. Mit allen Formen der darstellenden Kunst. Die Bürgerbühne umfasst den „Kids Club" (9-12 Jahre), den „Theater Jugend Club" (16 – 20 Jahre), das „Junge Ensemble" und das Community-Projekt „Brückenbau" .

Pro Jahr werden am Stadttheater Fürth circa 250 Vorstellungen für weit über 100.000 Zuschauer realisiert. Das entspricht einer seit Jahren stabilen durchschnittlichen Auslastung der Plätze von rund 90 %.

1990-2000

Das Drei-Stufen-Modell

Seit 1990 leitet Werner Müller als Intendant das Stadttheater. Er entwickelte das sogenannte Drei-Stufen- Modell, welches das Theater vom Gastspielbetrieb über Koproduktionen bis hin zu regelmäßigen Eigenproduktionen führen sollte. In den ersten Spielzeiten fand eine Konzentration des Gastspielbetriebs auf Inszenierungen wichtiger Staats- und Stadttheater statt. Überdies wurde das Fürther Theater im Lauf der Jahre als Bühne für internationale Tanzcompagnien etabliert.

In den folgenden Jahren stand die Realisierung der zweiten Stufe auf dem Programm, die Koproduktionen mit anderen Theatern. Hierbei orientiert man sich zunächst an der Zusammenarbeit mit innovativen, regionalen Theatern, wie dem CZ-Tanztheater von Jutta Czurda oder der Pocket Opera Company Nürnberg. Im Kinder- und Jugendtheaterbereich sind die Kooperationspartner das Theater Mummpitz und das Theater Pfütze. Es folgten Koproduktionen mit Theatern wie dem Theater an der Ruhr von Roberto Ciulli und der Baracke des Deutschen Theaters Berlin.

1994 ging man mit Eigenproduktionen an die Realisierung der dritten Stufe. Im September 1994 hatte mit "Biedermann und die Brandstifter" unter der Regie von Werner Müller die erste Eigenproduktion Premiere. Statt einem festen Ensemble griff das Stadttheater Fürth auf einen Stamm von ca. 80 Mitarbeitern im künstlerischen Bereich zurück, mit dem die Eigenproduktionen kontinuierlich ausgebaut werden, so dass mittlerweile pro Saison zehn bis zwölf Inszenierungen auf die Bühnen gebracht werden können. Für die Produktion "Die Ware Liebe oder Das ist der Mond über Soho" mit Jutta Czurda erhielt das Stadttheater Fürth 1998 den Bayerischen Theaterpreis.

1970-1990

Wiedereröffnung unter der Leitung von Kraft-Alexander

Am 31.8.1970 endete der Theatervertrag zwischen Nürnberg und Fürth. Durch einen höheren Zuschuss von Fürth wäre eine Vertragserneuerung denkbar gewesen, aber auch diesmal entschied sich Fürth für einen eigenen Weg. Die Theaterkrise dieser Zeit sollte durch die Organisationsform des selbstständigen Gastspielbetriebs überwunden werden. Nach dem umfangreichen Umbau wurde am 14. Januar 1973 das Stadttheater mit der Komödie "Professor Bernardi" von Arthur Schnitzler, einem Gastspiel des Bayerischen Staatsschauspiels, wiedereröffnet. Das Theater konnte sich unter der Theaterleitung von Kraft-Alexander (Intendant von 1972-1990) als eigene Fürther Spielstätte etablieren. Vor allem internationale Gastspiele, wie die der Scottish Opera Edinburgh, der Warschauer Nationaloper oder des Prager Nationaltheaters trugen dazu bei. In dieser Zeit galt das Fürther Stadttheater hauptsächlich als Begegnungsstätte mit osteuropäischen Musiktheatern.

1953-1970

Der Neuanfang

1952 wurde das Fürther Theater von den Alliierten an seine ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben. Doch dieser Neuanfang mit der Chance, durch eine regelmäßige Bespielung wieder den Anschluss an die Weltliteratur und das Gegenwartstheater zu schaffen, erwies sich als eine schwierige Angelegenheit. Zunehmend stagnierte das allgemeine Theaterinteresse und die Besucher- und Abonnentenzahlen folgten diesem Trend. Ein weiteres Manko war die Renovierungsbedürftigkeit des Hauses und daher beschloss man 1965, in den nächsten Jahren eine Restaurierung in Angriff zu nehmen, um Bau- und Feuersicherheit zu gewährleisten und fehlende sicherheitstechnische Anlagen zu installieren. Ende 1969 war endlich Baubeginn. In den nächsten 18 Monaten wurde das komplette Haus für rund 7,7 Millionen DM generalsaniert, die baulichen und technischen Mängel behoben und das renovierte Zuschauerhaus erstrahlte in altem, neuen Glanz. Ziel war es, bauliche und technische Mängel zu beheben und das Zuschauerhaus unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zu restaurieren.

1944-1952

Jähes Ende

Im Herbst 1944 werden dem Theaterleben und der Fürther Selbstständigkeit ein jähes Ende bereitet. Nach 1945 wird das Fürther Stadttheater von den Alliierten beschlagnahmt und zum Kino für amerikanische Soldaten umfunktioniert. In diesem Zusammenhang lebt auch die Theatergemeinschaft mit Nürnberg wieder auf und das Stadttheater erhält die Möglichkeit, an zwei Abenden der Woche von Nürnberg aus bespielt zu werden.

1920-1944

Aufbruch in die Selbstständigkeit

1920 geht das Stadttheater endgültig in städtische Verwaltung über. 1933 endet der bestehende Theatervertrag zwischen Nürnberg und Fürth; trotz der Möglichkeit einer Verlängerung bei einem geringfügig höheren Zuschuss will das Fürther Stadttheater in die Selbstständigkeit übergehen; Schauspiel und Operette (300 Operettenaufführungen in den ersten beiden Spieljahren) in eigener Regie inszenieren und Opernaufführungen durch Gastspiele ermöglichen. Willy Seidl, der musikalische Leiter der Nürnberger Operette, wird Intendant in Fürth, nach 1939 folgen ihm Horst Platen und Günter de Resée.

1902-1920

"Lauter Edelsteine der Kunst heben."

Dieses Versprechen gab der Direktor Hans Reck zum Abschluss der festlichen Eröffnungsvorstellung am 17.9.1902 mit Beethovens "Fidelio". Mit diesem Werk beginnt die Geschichte des Fürther Theaters am Hallplatz: In den 20er und 30er Jahren erwirbt sich das Theater einen Ruf als Uraufführungsbühne, vor allem für Operettenaufführungen, die teilweise von Komponisten wie Franz Doelle, Eduard Künnecke oder Paul Lincke selbst dirigiert worden sind. In dieser Zeit ist die Fürther Bühne für viele Künstler wie Werner Krauss oder Emil Jannings ein Sprungbrett. Der damalige Direktor Reck erwirtschaftet mit 103 800 RM eine Jahreseinnahme, die mehr als das Dreifache der Jahreseinnahme im alten Haus beträgt. Obwohl das Theater städtisches Eigentum ist, wird es nach dem Pachtsystem vergeben. Die Stadt erhält Abgaben, im Gegenzug werden Heizung und Licht geliefert. Zudem ist das Theater verpflichtet, große Oper, Operette und Schauspiel auf die Bühne zu bringen.

1901/1902

Entstehung und architektonische Besonderheiten

Das Stadttheater Fürth steht inmitten von Fürth, zwischen Frauenkirche und Rathaus. Es wurde in den Jahren 1901 und 1902 nach Plänen des Wiener Architektenbüros Fellner & Helmer im neubarocken Stil erbaut. Die Inneneinrichtung folgt dem Stil des Neurokoko.
Die Architekten waren ursprünglich mit den Planungen und Bau eines Theaters in Czernowitz (heute Ukraine) beauftragt. Allerdings wurde der Bau dort wegen Finanzierungsproblemen verschoben. Kurzfristig verwendeten die Architekten die Pläne für das Fürther Theater. 1904-1905 wurde dann auch in Czernowitz der Bau nachgeholt. So stehen in den beiden Städten fast identische Theater.
Es gab in Fürth schon seit 1816 ein festes Theater, einen schmucklosen, klassizistischen Bau, an den heute nur noch der Straßenname "Theaterstraße" erinnert. Um die Jahrhundertwende entsprach jenes Haus nicht mehr den Brandschutzbestimmungen und war für die stark gewachsene Kommune mittlerweile auch zu klein geworden.
Stattdessen sollte ein repräsentativer Bau entstehen und ein Spendenaufruf des 1898 gegründeten Theaterkomitees die Realisierung des Neubauprojekts unterstützen. Innerhalb einer Woche gingen 283.873 Reichsmark an Spenden der Fürther Bevölkerung ein; eine Summe, die einem Viertel der Baukosten des Neubaus entsprach. Bemerkenswert ist, dass die jüdischen Mitbürger Fürths ("Fränkisches Jerusalem") mit knapp 60% den Hauptanteil dieser Spenden beisteuerten.

 

Die um die Jahrhundertswende äußerst populären Theaterarchitekten Fellner und Helmer aus Wien orientierten sich an der Formensprache der italienischen Renaissance-Baukunst und des Barock. Sie gestalteten reiche Innendekorationen mit dem Ziel einer vollendeten Raumausnutzung und schufen so in nur 14 Monaten ein einheitliches Kunstwerk. Das Bildprogramm des Theaters weist deutlich auf die Merkmale des Musik- und Sprechtheaters hin: Im Inneren sind die Masken in den Treppenhäusern von Schriftproben und Musikinstrumenten umgeben, und auch im Foyer finden sich bei den Puttendarstellungen Instrumente und ein auf einem Bücherstoß kniender Putto.
Die Fassaden schmücken sechs Repräsentanten aus dem Bereich der Musik und des Schauspiels in Form von Bildnismedaillons oder Büsten über den Fenstern. Dabei sind nur Vertreter der deutschsprachigen Kunst gewählt. Mit Mozart, Beethoven und Wagner als Inbegriff der Musik, Goethe, Schiller und Lessing als Meister der Sprache, ist das Theatergebäude zu einem Denkmal der deutschen Sprach- und Musikkunst geworden.
Der Giebel wird von einer Kolossalstatue besetzt, einer vielseitig interpretierbaren weiblichen Gestalt mit einer brennenden Fackel, der Lichtbringerin. Zu ihren Füßen eine auf den Rücken gestürzte männliche Figur und hinter ihr ein Löwe. Bei dieser Komposition liegt eine Verbindung zu Orpheus nahe, der durch Gesang und Saitenspiel selbst wilde Tiere bezaubert haben soll.